Wiederentdeckung der neugotischen Vorhalle und des Schüttkastens - Architektur aus 6 Epochen

Die Pfarre Korneuburg verfügt über schöne, große und aus der Geschichte gewachsene Gebäude. Schon vor mehr als 800 Jahren wurde mit dem Bau der im Kern romanischen Stadtpfarrkirche begonnen. Im Laufe der Jahre wurde sie unter anderem um die spätgotische Sakristei und zuletzt das neugotische Westwerk erweitert. In der Barockzeit wurden ein Schüttkasten und das Pfarrhaus erbaut, zu denen im 20. Jahrhundert noch der Pfarrsaal – heute Ägydiussaal – hinzugefügt wurde. Nun wurde die Pfarre erneut erweitert und adaptiert.

Die Neugestaltung bringt eine Veränderung der Frontfassade des Pfarrheims mit sich. Der langsam verblassende Charme der 70er Jahre weicht der Ästhetik der Architektur des beginnenden 21. Jahrhunderts – mit all ihren Vorteilen, wie einer natürlichen Beleuchtung durch Glaswände, einer besseren Wärmedämmung und dem Komfort eines Aufzugs. Im Inneren kommen die Vorzüge des Schüttkastens, insbesondere das gewölbte Erdgeschoss besser zur Geltung. Die Räume werden durch die Verlegung der Sanitäranlagen, die Schaffung von Stauräumen und eine Öffnung zum Ägydiussaal hin aufgewertet.

Die Erweiterung der „alten“ Sakristei bedeutet gleich in zwei Bereichen eine massive Veränderung unserer Sehgewohnheiten. Durch die Schließung der Nische zwischen den Strebepfeilern des Chors wird die schon bestehende, spätgotische Sakristei erweitert. Die Erweiterung der Sakristei wird, wie es bei Sakristeien oft der Fall ist, in Form eines kleinen, zweckmäßigen Gebäudes direkt an die Kirche angebaut. Sie tritt optisch durch ihre geringe Größe und ihre Schmucklosigkeit in den Hintergrund – eine Konkurrenz zur Kirche wird somit ausgeschlossen. Durch die Verlegung der Sakristei können die in den 1990er Jahren (als Notlösung) geschaffenen Sakristeien abgebaut und die neugotische Vorhalle der Pfarrkirche wieder sichtbar gemacht werden. An die Stelle eines schmalen, mit Holz verkleideten Ganges tritt somit wieder die mehr als doppelt großzügige Vorhalle, als einladende Vorbereitung auf das Kircheninnere.

Magdalena Schindler, Mitglied im Pfarrgemeinderat

Nach oben